Will Smith hält nicht die Klappe

Our system’s broken and I…
I’ll never vote again

The Submarines – Vote

Über Umwege bin ich mit der Frage konfrontiert worden, ob das Fernbleiben bei einer Wahl eine gute Entscheidung sein kann. Die Behauptung, dass man mit einer Nichtwahl die extremen Parteien unterstütze, begegnet einem immer wieder. Heute jedoch bin ich auf folgende Aussage gestoßen:

Auch wenn immer gesagt wird, wer nicht wähle, wähle extrem – von der Nichtwahl profitieren alle Parteien proportional zu ihrem Stimmenanteil, also vor allem die großen Parteien CDU und SPD. Wenn beispielsweise ein SPD-Wähler einmal nicht wählt, dann profitiert davon am meisten die CDU.

Wahlrechtslexikon auf wahlrecht.de

Aha… Kann das denn sein? Um meine Verwirrung zu bekämpfen, habe ich ein einfaches Beispiel konstruiert. Bei einer Wahl mit zehn Wahlberechtigten werden folgende Stimmen abgegeben:

Partei Stimmen Prozente
CDU 4 40%
SPD 4 40%
FDP 1 10%
Grüne 1 10%

Wie verschiebt sich nun das Ergebnis, wenn ein potenzieller Wähler der SPD nicht wählen geht?

Partei Stimmen Prozente
CDU 4 44,4%
SPD 3 33,3%
FDP 1 11,1%
Grüne 1 11,1%

Es stimmt also: Die fehlende Stimme für die SPD ist allen anderen Parteien zugute gekommen, in diesem Beispiel aber ganz besonders der CDU, die ein vierfaches des Gewinns von FDP bzw. Grünen für sich verbuchen kann. Wer nicht wählen geht, unterstützt die großen Parteien.

Der Grund dafür liegt im deutschen Wahlrecht, nach dem sowohl eine Enthaltung als auch die Abgabe einer ungültigen Stimme keine direkte Auswirkung auf ein Wahlergebnis haben, da dieses basierend auf den abgegebenen gültigen Stimmen berechnet wird.

Man kann es somit auch hier mit Will Smiths Vater halten: “If you don’t vote, then you have to shut up.”

14 Gedanken zu „Will Smith hält nicht die Klappe

  1. Ich will nicht ausschließen, dass ich grade ein Brett vorm Kopf habe, aber ich glaube, Du lässt Dich da von Zahlenmagie verführen.

    Argument 1: In Deinem Beispiel haben sich nach dem „Wegfall“ der SPD-Stimme die Anteile aller anderen Parteien um 11 Prozent erhöht – also um denselben Faktor. Das ist logisch und bedeutet: Die Stimmverhältnisse zwischen den anderen Parteien haben sich nicht verändert.

    Argument 2: Vergleichen wir die Verhältnisse zwischen den Stimmen der anderen Parteien vor und nach „Wegfall“ der Nichtwählerstimme.

    Vorher: CDU : FDP : Grüne = 40% : 10% : 10% = 4 : 1 : 1
    Nachher: CDU : FDP : Grüne = 44,4% : 11,1% : 11,1% = 4 : 1 : 1

    Dies zeigt dasselbe wie Argument 1, nämlich dass der Nichtwähler keinen Einfluß auf die Stimmverhältnisse hatte. Für die SPD war es im Beispiel natürlich schlecht – aber das ist auch klar, denn Du hast die Stimme ja von der SPD abgezogen. In Wirklichkeit werden Nichtwählerstimmen ja auch gar nicht abgezogen, sondern sind a priori nicht vorhanden.

    Argument 3: Was ist mit der 5%-Hürde? Auch die schwachen Parteien gewinnen in Deinem Beispiel an Prozenten, also offensichtlich auch hier kein Effekt.

    Argument 4: Alle mathematisch korrekten „Beweise“, die mir bisher für die These dargelegt wurden, der Nichtwähler unterstütze die Starken, oder auch für die Gegenthese, der Nichtwähler unterstütze die Schwachen, hatten eine Schwachstelle: Sie gingen von dem Axiom aus, der Nichtwähler würde, wenn er denn wählen würde, die Schwachen, respektive die Starken, wählen. Dadurch wird aus dem Argument eine Tautologie. Wenn viele potentielle Wähler schwächerer Parteien nicht wählen gehen, dann ist das selbstverständlich schlecht für die schwächeren Parteien, und umgekehrt ebenso.

    Aber die Beweislage ist – naja, nicht vorhanden eben. Ich persönlich spekuliere, dass die Nichtwähler, wenn sie denn wählen würden, in etwa die gleiche Verteilung über die Parteien aufweisen würden wie die wählende Masse. Aber das ist nur eine Spekulation, die ich als „Default“-Fall annehme, weil ich keine Argumente kennen, die in eine bestimmte andere Richtung deuten würden. Woher man das Wissen bezieht, was Nichtwähler wählen würden, wenn sie wählen würden, ist mir rätselhaft. Es bleibt wohl das sahnige Geheimnis der Wahlmissionare.

    Dies ist auch an Deinem Beispiel ein Mangel – dass Du nämlich die Stimme des Nichtwählers von einer bestimmten Partei abziehst. Du solltest mehrere Stimmen abziehen, denn es gibt ja viele Nichtwähler. Doch von welchen Parteien? Du müsstest die abzuziehenden Stimmen anteilig über die Parteien verteilen. Doch nach welchen Anteilen? – Ha, jetzt kommt’s! Was ist denn das einzige, was wir über die statistische Verteilung der Stimmen einer größeren Menschenmenge über die verschiedenen Parteien wissen? – Natürlich das Wahlergebnis. Und wenn Du die Stimmen nach dem Stimmverhältnis des Wahlergebnisses anteilig von den Parteien abziehst, so hat dies keinen Effekt auf das schließliche Wahlergebnis.

    Dass in Deutschland ungültige Stimmen nicht als Stimmen gezählt werden, hat meiner Meinung nach auch nichts damit zu tun. Das bedeutet nur, dass die Summe der Partei-Stimmanteile immer 100 Prozent ergeben muss, und nicht z.B. nur 80% bei 20% Nichtwähleranteil. Das wiederum hat aber auch wieder keinen Einfluß auf die Verhältnisse der Stimmen unter den Parteien.

    Wie schon erwähnt: Nichtwähler haben unter’m Strich keinen Einfluß. Ich bleibe dabei, und zwar so lange, bis mir einer glaubhaft aufzeigen kann, wen die Nichtwähler im Konjunktiv-Land wählen.

  2. Das ist keine Zahlenmagie, das heißt „Prozentrechnung“. 😉 Aber mal im Ernst:

    Mir geht es nicht um Stimmverhältnisse, sondern um die theoretischen Auswirkungen einer Nichtwahl auf ein Wahlergebnis. In der Praxis und bei der Betrachtung einer Menge von Nichtwählern sieht so etwas natürlich anders aus, da dort noch viele andere Faktoren eine Rolle spielen, die mir als Laien gar nicht oder nur unzureichend bekannt sind.

    Ich denke, dass man davon ausgehen kann, dass jemand, der sich für eine Nichtwahl entscheidet, eine gültige Stimme für eine zur Wahl stehende Partei abgegeben hätte, wenn er denn doch wählen gegangen wäre. Ob diese Stimme einer großen oder einer kleinen Partei gegolten hätte, spielt für die Verschiebung des Mehrheitsverhältnisses bei einer Nichtwahl keine Rolle; das kann man sich mit einem entsprechenden Beispiel verdeutlichen: Wenn Du die potenzielle Stimme im obigen bei der FDP oder den Grünen abziehst, kommt die CDU trotzdem auf 44,4%. Und das soll hier auch die Aussage sein: Wer nicht Wählen geht, tut den großen Parteien einen Gefallen, da sich deren Ergebnis dadurch stärker verbessert als das der kleinen Parteien.

    Aber vielleicht könnte sich auch ein mir bekannter Wahl- und Sozialforscher, der mein Blog ab und zu frequentieren müsste, zu dem Thema äußern und ein wenig Licht ins Dunkel bringen. 🙂

  3. Als ich Deinen Eintrag las, war ich schon fast überzeugt. Ich benötige aber viel Zeit, solche Themen genau zu analysieren. Die Zeit wollte ich mit zugegebenermaßen nicht nehmen. Matthias hat dann meine „gefühlten“ Bedenken sehr präzise formuliert.

    Komisch kam mir die Schlussfolgerung besonders auf dieser Seite vor: http://tinyurl.com/lybhm9
    (Das meinte ich dem einen Tweet mit „Unsinn“, nicht etwa Deine generelle Aussage!)

    Die Zahlen der o.g.Seite habe ich jedenfalls mal nach der aktuell Verwendeten Methode verteilen lassen. Verwendet habe ich dazu: http://www.election.de/mandate.html

    Fall 1: http://www.flickr.com/photos/ancore/3774879826/
    Fall 2: http://www.flickr.com/photos/ancore/3774879866/

    Wenn ich keinen Denkfehler habe, gibt es keinen signifikanten Unterschied, ob nun die „Anderen“ die 20% bekommen oder nicht.

    Es wird sicher noch weitere, mir unbekannte Faktoren wie Überhangmandate, etc. geben. Dass diese Faktoren aber durch Nichtwähler wirklich beeinflusst werden können, bezweifle ich.

    Letztendlich ist das alles hier nur die Meinung eines Laien. Den „Gefallen“, den ein Nichtwähler bringt, besteht für mich nur aus höheren Zahlenwerten (%). Die Verhältnisse bleiben gleich.

  4. Ein paar Anmerkungen noch:

    Ich war, soweit ich mich Erinnere, noch nie Nichtwähler. Vielleicht hab ich mal eine Wahl vergessen, aber mit Absicht bin ich noch nie ferngeblieben.

    Den kleinen Parteien Stimmen geben hilft, weil sie pro Stimme einen Geldbetrag bekommen.

    Den Werbespot mit dem unsere Diskussion begann, hatte ich vorher mal angesehen, aber abgebrochen. Den amerikanischen finde ich im Prinzip besser, aber Spielberg und Cruise meide ich lieber 😉 Gut finde ich aber die Idee hinter den Spot überhaupt nicht. Dem amerikanischen sollte man aber zugute halten, dass in den USA fast zwei Drittel *nicht* wählen. Da sind dann solche Aktionen vielleicht schon sinnvoll.

  5. @David:

    Tut mir leid, ich hatte Schwierigkeiten, meine Argumente klar auf den Punkt zu bringen. Leider sehe ich jetzt, dass es mir nicht gelungen ist. Ich muss unbedingt an meiner sprachlichen Formulierungsweise arbeiten!

    Du schriebst:
    Mir geht es nicht um Stimmverhältnisse, sondern um die theoretischen Auswirkungen einer Nichtwahl auf ein Wahlergebnis.

    Ich antworte:
    Für mich ist Wahlergebnis == Stimmverhältnisse. Oder nahezu gleich jedenfalls. Ich denke, es ergeben sich marginale Konsequenzen aus der Nichtwahl, wenn man noch so abstruse Dinge wie „Überhangmandante“ und so hinzuzieht. Wie gesagt, marginale Konsequenzen. Aber auf „die Prozente“ hat das Nichtwählen überhaupt keine Auswirkungen. Solange Du nur eine Stimme von einer bestimmten Partei abziehst, wirst Du das aber nicht bemerken. Ziehe Stimmen von allen Parteien ab, und zwar proportional zu ihren Wähleranteil, dann wird es offensichtlich: keine Änderung.

    Du schriebst:
    Ich denke, dass man davon ausgehen kann, dass jemand, der sich für eine Nichtwahl entscheidet, eine gültige Stimme für eine zur Wahl stehende Partei abgegeben hätte, wenn er denn doch wählen gegangen wäre.

    Ich antworte:
    Ich finde diese Formulierung und Denkweise schon gefährlich. Ein Nichtwähler ist ein Nichtwähler, WEIL er nicht wählen gegangen ist. Wie will man ein Argument aufbauen, das darauf beruht, er wäre wählen gegangen? Allein schon, wenn er wählen gegangen wäre, hätte er sich wenigstens auf dem Weg zum Wahllokal Gedanken darüber gemacht, wen er wählt. Dieses Gedanken-Machen könnte seine Entscheidung für oder gegen eine Partei beeinflussen. Es gibt noch viele weitere Faktoren. Wenn Du jetzt noch daher gehst und die spekulativen Nichtwählerstimmen vom Wahlergebnis abziehst, dann bist Du vollends im Wunderland. Es ist in etwa so, als würde man fragen, welche irakischen Soldaten welche deutschen Soldaten abgeschossen hätten, wenn Deutschland in den Irak-Krieg gezogen wäre, um dies dann als hypothetische Witwenrente bei den Steuererklärungen der Soldatengattinnen zu berücksichtigen. Es ist eine Rechnung für den hohlen Zahn.

    Die Soldaten leben noch, es gibt keine Witwen, und auch die Nichtwähler haben nicht gewählt. Zu fragen, wen sie gewählt HÄTTEN, ist müßig, denn sie HABEN nicht gewählt.

    Beispiel: Die NPD könnte eine spezielle Kampagne starten, die extra auf Nichtwähler abgestimmt ist. In dem Falle können wir davon ausgehen, dass es unter den „Nichtwählern“, die durch diese Kampagne zu Wählern werden, einen hohen Anteil von NPD-Wählern gibt. (Also wären die Nichtwähler in diesem Falle „schlecht für die Kleinen“ gewesen, hätte die NPD die Kampagne nicht gemacht und wären die Nichtwähler Nichtwähler geblieben.)

    Hätte die SPD so eine Kampagne gemacht, wäre es ganz genau anders herum: Unter den „Nichtwählern“, die durch die SPD-Kampagne zu Wählern gemacht wurden, wäre sicherlich ein hoher Anteil von SPD-Wählern gewesen. Somit wäre das Nichtwählertum in diesem Falle „schlecht für die Großen“ gewesen, hätte die SPD die Kampagne nicht durchgeführt und wären die Nichtwähler Nichtwähler geblieben.

    Was ich damit sagen will: Nichtwähler sind nicht einfach potenzielle Wähler, die irgendwo in ihrem Kopf ein Plakat haben, auf dem „CDU“, „SPD“, „Grüne“ oder dergleichen steht. Man weiß nicht, wen sie wählen würden. Wären sie zu Wählern geworden, müsste man erneut fragen, durch welchen Impuls sie zu einem Wähler geworden sind, was Auswirkungen auf ihre Wahl hätte.

    Einfach die Nichtwähler von den Wählern abzuziehen ist schon allein deswegen eine Milchmädchenrechnung. Aber wenn wir es dennoch tun und uns dabei vorstellen, dass die Nichtwähler im Groben ein ähnliches Verhalten wie die Wähler zeigen, hat auch dies keine Auswirkungen auf das Wahlergebnis.

    Du schriebst:
    Wenn Du die potenzielle Stimme im obigen bei der FDP oder den Grünen abziehst, kommt die CDU trotzdem auf 44,4%. Und das soll hier auch die Aussage sein: Wer nicht Wählen geht, tut den großen Parteien einen Gefallen, da sich deren Ergebnis dadurch stärker verbessert als das der kleinen Parteien.

    Ich antworte:
    Die Verbesserung ist bei allen Parteien gleich groß gewesen, nämlich eine Verbesserung um 11 Prozent. Und wenn Du bedenkst, dass Nichtwähler nicht nur SPD-Nichtwähler sind, sondern auch Nichtwähler aller anderen Parteien (was eigentlich eine inkorrekte Denkweise ist – siehe oben -, aber lassen wir’s mal durchgehen), dann ist die Verbesserung bei allein Parteien ebenfalls gleich groß, nämlich ungefähr null Prozent. Wie gesagt: Ziehe die Nichtwählerstimmen nicht von nur einer Partei ab, sondern von allen, und zwar proportional zum Wahlergebnis der jeweiligen Partei.

    Sozialforscher könnten hier vielleicht weiter helfen. Eigentlich sind sie sogar die einzigen, die hier weiter helfen können. Denn nur sie könnten Argumente aufbauen, die zeigen, wodurch ein Nichtwähler zum Wähler werden kann, welche Partei er dann nach diesem Einfluß wählen würde, wie wahrscheinlich das ist, und welche Kosten das für die jeweilige Partei hätte. Erst dann könnten wir sagen, wie sich das Nichtwählen… „auswirkt“ ist das falsche Wort. Merkst Du’s? Durch meine präzisere Formulierung tut es plötzlich intuitiv weh, davon zu sprechen, dass das Nichtwählen sich auswirkt. Die Kausalität hat sich verändert. Jetzt fragt man nicht, wie das Nichtwählen sich „auswirkt“, sondern wie das WÄHLEN sich auswirken würde, wenn man mit bestimmten Methoden die Nichtwähler dazu bringen könnte, wählen zu gehen. Es ist klarer geworden, dass der Nichtwähler zu diesem Zwecke manipuliert werden müsste, und dass dieses dann wiederum Einfluss auf seine Wahl hätte. Und somit kann man im Umkehrschluß nicht mehr behaupten, das Nichtwählen „wirke sich so-und-so aus“.

    Uff. Das ist ungefähr die größte Tiefe, in die ich in dieser Sache tauchen kann. Ich hoffe, ich war nicht allzu kryptisch.

  6. Ich glaube das verwirrende hier ist, dass Du die relative Verbesserung eines relativen Werts zum Thema machst. Es ist natürlich richtig, dass sich alle Parteien durch die Nichtwahl um 11% ihres ursprunglichen Ergebnisses verbessert haben. Deshalb aber zu schlussfolgern, dass sich alle Parteien gleich verbessert haben, ist, mit Verlaub, falsch.

    Beispiel: Zwei Mitarbeiter bekommen eine Gehaltserhöhung von 10%. Der erste verdient 30.000€ im Jahr, verbessert sich also um 3000€. Der zweite verdient 120.000€ im Jahr, verbessert sich also um 12.000€. Wenn Du jetzt weiterhin bei Deiner Behauptung bleibst, dass beide Mitarbeiter die gleiche absolute Gehaltserhöhung erhalten haben, dann gebe ich meine Mühen bezüglich dieser Diskussion auf und nehme an, dass Du eine mir bisher nicht bekannte Form der Bruchrechnung beherrschst.

  7. @David:

    Das war nur ein Teil meiner Argumentation. Du übersiehst, dass, wenn Du von allen Parteien den gleichen Anteil abziehst, sich keinerlei Änderung ergibt. Gar keine. Null Prozent. Sowohl absolut als auch relativ.

    Abgesehen geht es bei Abstimmungen doch um die Stimmverhältnisse, oder nicht? Ich meine, stelle Dir vor, es gäbe eine Abstimmung, die CDU sei komplett dafür, und die Grünen und die FDP komplett dagegen. Ist es dann wichtig, ob das Verhältnis 40:20 oder 44:22 ist?

    Wie eingangs gesagt, ich finde es absolut möglich, dass ich mich total irre. Aber ich werde das nicht als gegeben annehmen, bis ich der Meinung bin, dass die Argumente stimmen. Das versuche ich eigentlich immer so zu halten.

  8. Selbstverständlich geht es um Stimmverhältnisse. Wenn man von einem Parlament mit 100 Abgeordneten ausgeht, dann bekommt in meinem ursprünglichen Beispiel die CDU vier zusätzliche Sitze, während die FDP und die Grünen nur je einen zusätzlichen Sitz bekommen. Sie profitiert von der fehlenden SPD-Stimme unterm Strich also am meisten.

  9. Hey David, was hältst Du davon, wenn wir die Wahlbeteiligung mal in Form eines Flüssigkeitsaustausch simulieren, nämlich vom Glas in unsere Münder? – Ich würde Dich gern mal im Gdanska auf ein Bierchen einladen.

  10. Zunächst einmal eine Anmerkung vorab: ich gehe wählen, weil ich meine Interessen in der Politik vertreten sehen möchte, und nicht, damit eine kleine Partei aufgrund meiner Stimme einen Geldbetrag bekommt. Da ist es sicherlich sinnvoller, einer Partei beizutreten, oder sie anders finanziell zu unterstützen.

    Des Weiteren stimme ich zu, die ganze Rechnerei ist ja sehr interessant und verlockend. Einfache Ergebnisse sind es immer. In der Regel sind sie nur verlockend. Aber auch nicht mehr.

    Um wirklich einen Beweis für die Richtigkeit der Annahme zu sehen, wäre es m.E. entscheidend, mehrere Annahmen einfließen zu lassen. Und was nützt die Theorie, wenn sie in keinster Weise anwendbar ist, da in der Realität ganz andere Faktoren eine Rolle spielen um wirklich beurteilen zu können, welche Partei denn nun wirklich profitiert.

  11. Ich dachte im die These das „Nicht-Wählen“ den kleinen Parteien helfen würde läge daran, dass (bei unterstellter konstanter Wählerzahl der kleinen Partei) die 5% Hürde einfacher zu knacken ist?

    Und dann würden die großen Parteien verlieren:
    Angenommen die großen Parteien hätten zusammen 90% der Stimmen, die kleinen Parteien zusammen 10%, dann würden 100% der Sitze auf die 90% aufgeteilt. Falls jetzt aber durch niedrige Wahlbeteiligung eine kleine Partei über 5% kommen würde, würden 100% der Sitze auf einmal auf 95% aufgeteilt werden müssen. Ergo würden die etablierten Parteien Sitze verlieren.

    Diese These ist natürlich sehr theoretisch, da die Wahlbeteiligung schon drastisch sinken müsste um eine der aktuellen kleinen Parteien auf 5% zu bringen.

  12. @Elliot:

    > (bei unterstellter konstanter Wählerzahl der kleinen Partei)

    Wenn dieses Kriterium erfüllt wäre, dann wäre die Aussage „Nichtwählen unterstützt die Kleinen“ korrekt.

    Dies liesse sich zusammenfassend so ausdrücken: „Unter der Voraussetzung, dass nur die Großen Stimmen verlieren, haben die Kleinen im Verhältnis mehr Stimmen.“ – Und das wäre eine Tautologie.

    Ich vermute, Du gehst davon aus, dass Nichtwähler vor allem die Großen wählen würden, wenn sie denn wählen würden. Wie ich ausgeführt habe, ist so eine Aussage in zweierlei Weise kritisch:

    1. Wir wissen nichts darüber, was die Nichtwähler wählen würden, und zwar deswegen, WEIL SIE NICHT GEWÄHLT HABEN. Jede Studie oder Statistik zu dem Thema (wovon noch keine in dieser Diskussion genannt wurde) müsste mit großer Skepsis betrachtet werden.

    2. Wie ich auch oben aufgeführt habe, ist so eine Konjunktiv-Aussage äußerst hypothetisch. Stellen wir uns vor, ein Nichtwähler würde uns sagen: „Wenn ich wählen würde, würde ich Partei X wählen.“. Könnten wir dieser Aussage glauben? Wenn er wählen würde, würde er dann nicht zwangsläufig ein paar Dinge anders sehen als jetzt? Würde sich dann nicht vielleicht auch seine präferierte Partei ändern? – Alles sehr hypothetisch. Ich kann mir jedenfalls selbst beim besten Willen nicht vorstellen, wie man mit so einem super-hypothetischen Argument eine so klare Aussage stützen will wie „Wer nicht wählt, unterstützt die Großen/Kleinen.“ – Das ist pure Fantasie!

    Ich verstehe auch Deinen zweiten Absatz nicht. Du schreibst, die Großen haben zusammen 90% und die Kleinen 10%. Wenn jetzt alle Parteien zu gleichem Anteil an Wählern verlieren würden, wie sollte sich dann etwas an diesem Verhältnis ändern? Es würde doch gleich bleiben, oder nicht?

  13. Ich glaube, dass Elliot sich im zweiten Absatz auf die unterstellte konstante Wählerzahl der kleinen Partei bezieht, so dass unter der niedrigen Wahlbeteiligung nur die großen Parteien leiden.

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