Ein geheimes Treffen im Keller meines Gehirns

Das vergangene Jahr war musikalisch empfunden für mich seltsam ereignisloser als die Jahre davor, was möglicherweise daran liegt, dass es mit der Zeit schwieriger wird, neues und aufregendes zu entdecken; Trotzdem möchte ich an dieser Stelle gern einige Künstler, Alben und Stücke, die mein Jahr 2009 geprägt haben, Revue passieren lassen.

Blood Red Shoes – It’s Getting Boring By the Sea (Amazon / iTunes)

Über Putpat bin ich auf ein wahrscheinlich britisches Pop-Rock-Duo Namens Blood Red Shoes gestoßen. Auch wenn der Reiz der Musik neben der überschaubaren Instrumentierung und dem einfachen Songwriting mehr in der klaren Qualität der Produktion liegt, konnte ich mich dem Griff der beiden Lieder It’s Getting Boring By the Sea und I Wish I Was Someone Better nicht so leicht entwinden.

Boys Noize – Jeffer (Amazon / iTunes)

Der Berliner Elektro-DJ Boys Noize hat im Oktober sein von mir mit Spannung erwartetes, im Nachhinein aber deutlich enttäuschendes zweites Album Power veröffentlicht. Meiner Meinung nach bleibt es trotz seines Titels weit hinter der Kraft und Chuzpe des Vorgängers Oi Oi Oi zurück. Die einzige Ausnahme bildet Jeffer, das zweite Stück des Albums, welches mit einem passend akkurat zuckenden Video versehen worden ist.

Édouard Lalo – Symphonie espagnole / Concerto russe

Früher oder später landet wahrscheinlich jeder Musik-Enthusiast bei der Klassik. Mir war es trotz mehrerer Anläufe nicht gelungen, bis ich durch einen Zufall über Édouard Lalo gestolpert bin. Das farbenfroh-malerische und abwechslungsreich-melodiöse Zusammenspiel einer Solo-Geige mit einem Orchester ist etwas, nach dem ich seit meiner Entdeckung der Symphonie espagnole bisher vergeblich suche.

Lambchop – Sharing a Gibson With Martin Luther King (Amazon / iTunes)

Um Lambchop mit Worten zu beschreiben, müsste man weit ausholen, doch eine Handvoll Fakten lassen hoffentlich erahnen, womit man es hier zu tun hat: Das bis zu 18-köpfige Kollektiv um einen ehemaligen Parkettleger stammt aus Nashville, Tennessee, hat sich sympathischerweise “Lammkotelett” genannt und macht einmalige Musik, die man bestenfalls als Alternative-Country umschreiben kann.

Lambchops letztes Album OH (Ohio) ist bereits 2008 erschienen, ich habe mir es und seinen Vorgänger Damaged jedoch auch im vergangenen Jahr oft und mit wachsender Begeisterung angehört.

The National – Secret Meeting (Amazon / iTunes)

Von der weichen Bass-Stimme Lambchops kommen wir zur nicht ganz so tiefen Bariton-Stimme von The National, deren 2005 erschienenes Album Alligator mit dem melancholisch-schönen und rhythmisch attraktiv-humpeligen Stück Secret Meeting beginnt. Der Rest des Albums gefällt mir leider überhaupt nicht, aber Secret Meeting habe ich im letzten Jahr eine Weile lang mehrmals täglich hören müssen, gern auch durchgehend.

Nostalgia 77 – Seven Nation Army (Amazon / iTunes)

Es spricht für sich, wenn der Remix eines Liedes einen mehr mitreißt als das Original; In Punkto Groove können sich die White Stripes auf jeden Fall einige Scheiben von Nostalgia 77 abschneiden.

The Whitest Boy Alive – Island (Amazon / iTunes)

Nach Spanien, Tennessee, Brooklyn und London kehre ich zum Schluss nach Berlin zurück, wo The Whitest Boy Alive angesiedelt sind, eine Band, die schlichten Elektropop von Hand macht. Ihr Sänger Erlend Øye ist bereits seit Mitte der 90er Jahre musikalisch Aktiv und mag dem einen oder anderen von den Kings of Convenience oder anderen Projekten bekannt sein. (Nebenbei bemerkt ist er außerdem ein absoluter Prototyp-Nerd, eine gewisse Ähnlichkeit mit dem jungen Bill Gates kann ich nicht abstreiten.)

Nach dem 2006 erschienenen Debut Dreams (mit dem eingängigen Eröffnungsstück Burning) wurde im Februar 2009 der ebenbürtige, wenn nicht sogar noch bessere Nachfolger Rules veröffentlicht, bei dem es sich um ein Album handelt, dass mich im neuen Jahr mit Freude und Spannung die weitere Entwicklung von The Whitest Boy Alive beobachten lässt.